Die Zielgruppe

Zeig mir wie du wohnst und ich sag dir wer du bist.

Selbstverständlich sagt die Art wie wir hausen oder besser gesagt, wie wir gerne hausen würden, viel über uns aus. Leider haben aber nicht alle die Möglichkeit ihre individuellen Wohnträume in die Realität umzusetzen, weshalb die wahre Identität vieler Menschen oft hinter den Wohnungen und Häusern „von der Stange“ verborgen bleibt. Würde man den Menschen eine alternative Möglichkeit des Wohnens anbieten, wären sicherlich auch einige bereit auf ein paar Quadratmeter zu verzichten, um sich nicht hoffnungslos zu verschulden.

Viele Menschen haben oft leider kaum eine Wahl und kaufen sich eine Immobilie, nur weil sie seit Jahren vergeblich nach einer Mietwohnung gesucht haben. Diese absurde Situation, in Verbindung mit attraktiven Zinsen, gesellschaftlichem Druck und dem tiefsitzenden Wunsch nach einem Eigenheim, zwingt immer mehr, vor allem junge Leute, in die Schuldenfalle.

Wir erhalten zahlreiche Zuschriften von Menschen, die teilweise schon seit Jahren verzweifelt versuchen ein passendes Grundstück für ihr individuelles Häuschen zu finden. Hier können wir ganz gut sehen, wie verschieden jeder von ihnen ist und welche unterschiedlichen Gründe sie dazu bewogen haben in einem Mini-Haus leben zu wollen. Natürlich lassen sich aber auch viele Gemeinsamkeiten finden, die übrigens von der überwiegenden Mehrheit der Mini-Haus Enthusiasten geteilt werden. Diese sind unter anderem der Wunsch nach Einfachheit und Flexibilität, das Verlangen nach mehr Freiheit und Selbstbestimmung, die Erkenntnis, dass weniger oft mehr ist, die Liebe zur Natur, das Bedürfnis nachhaltiger und ressourcenschonender zu Leben und zu Konsummieren und das Haus zu bewohnen, dass man sich auch tatsächlich leisten kann.

Nachfolgend haben wir ein paar Beispiele zusammengetragen, die genau das Aufzeigen.

Renate

Renate ist seit 2012 in Rente und wohnt mittlerweile allein in einer 4-Zimmer Wohnung auf 92m² in einem Mehrfamilienhaus in Stuttgart-Münster. Mit ihrem Mann verbrachte sie viel Zeit in der geliebten Parzelle einer Kleingartenanlage, die sie vor über 20 Jahren gepachtet haben. Sie hat nie den Führerschein erworben und als ihr Mann 2018 verstarb, musste sie den Garten leider aufgeben. Die Gärten sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gut zu erreichen, es wäre zusätzlich ein längerer Fußweg dorthin nötig und das 6ar große Grundstück, hätte sie ohnehin nie allein pflegen können.

Jetzt fehlen ihr die Blumen, ihre Kräuter, die Wochenenden an der frischen Luft und der Kontakt zu den früheren Gartennachbarn. Mit den anderen Bewohnern des Hauses hat sie kaum Kontakt, man sieht oft tagelang niemanden klagt sie und die Wohnung ist ihr allein viel zu groß. Die Kinder wohnen in anderen Städten und kommen nur selten zu Besuch. Ein Haus kauft sie sich mit fast 70 Jahren jetzt sicher nicht mehr, schreibt sie uns, auch wenn sie sehr gerne wieder einen kleinen Garten hätte.

Doch als sie mit einem befreundeten Ehepaar im Sommer 2019 zur Remstalgartenschau fuhr und dabei auch an den ausgestellten Tiny-Häusern in Weinstadt-Endersbach vorbeikam, war der Gedanke an ein Häuschen plötzlich doch nicht mehr so abwegig.

Sie war sofort davon begeistert und schilderte uns unter anderem in ihrem Mail, wie gut sie sich ein Leben in einem Mini-Haus vorstellen könnte, wenn dieses in einer kleinen Siedlung stünde und man sich in einer harmonischen Gemeinschaft gegenseitig unterstützt.

Kommentar Wohnderful: Vielen Dank Renate für deine freundliches E-Mail und dein Interesse an einem gemeinschaftlichen Leben in einer kleinen Mini-Haus Siedlung. Du bist mit deinem Wunsch nicht allein und wir hoffen dir schon bald eine positive Rückmeldung geben zu können.

Tobias

Tobias, 23 Jahre alt aus Stuttgart, hat uns über eBay Kleinanzeigen kontaktiert. Er hat großes Interesse ein Tiny Haus zu bauen oder zumindest selbst auszubauen. Er ist kreativ, handwerklich geschickt und beschäftigt sich schon längere Zeit mit den vielen Themen rund ums Tiny House und kennt die Szene sehr gut.

Sein Hauptantrieb für den Bezug eines Tiny Houses ist zum einen, die völlig unverhältnismäßige Mietsituation in und rund um Stuttgart, zum anderen der Wunsch, seine kreativen Ideen beim Bau seines Tiny Hauses mit einfließen zu lassen, wie beispielsweise im Bereich der Wärmedämmung und Wasseraufbereitung. Energieeffizienz und Nachhaltigkeit spielen für ihn somit eine entscheidende Rolle.

Tobias würde das Tiny Haus vorerst allein beziehen und wenn seine zukünftige Freundin kein Problem mit zu kleinen Räumen hat, dürfte sie selbstverständlich auch mit einziehen. Er studiert seit 2019 Medizintechnik an der Uni in Stuttgart und benötigt einfach nicht so viel Platz.

Die meiste Zeit verbringt er in der Uni, an drei Abenden die Woche jobbt er in einer Bar in der Stuttgarter City, seine Freizeit verbringt er am liebsten an der frischen Luft, treibt Sport oder fotografiert und an den Wochenenden fährt er meistens zu seinen Eltern. Er nutzt seine völlig überteuerte Wohnung nur zum Duschen und Schlafen, ähnlich ist es auch bei seinen Freunden verrät er uns in seiner Nachricht.

Schade findet er vor allem, dass die Stadt viel zu wenig Flächen für alternative Kleinwohnprojekte zur Verfügung stellt und die Politik den Trend komplett verpennt hat. Er schreibt weiter, man wird leider noch viel zu oft schief angeschaut, wenn man den Wunsch äußert auf 20m² leben zu wollen. Auf der anderen Seite aber sind WGs etwas völlig normales, man hat hier aber kaum mehr Platz als in einem Tiny House.

Kommentar Wohnderful: Vielen Dank Tobias für deine Kontaktaufnahme, den netten Austausch und für deine Registrierung bei Wohnderful. Wir hoffen sehr, dass die Politik die Notwendigkeit erkennt, in diese Richtung mehr zu tun. 

Familie Legde

Obwohl es doch eher die Ausnahme ist als die Regel, zieht es auch Familien mit Kindern in Tiny Häuser. Ein gutes Beispiel, dass das durchaus funktionieren kann, zeigt uns Familie Legde aus der Nähe des Bodensees. Katharina Legde, die mit ihrem Mann Kolja und ihren 2 Kindern, Clara und Adam, auf weniger als 18m² zusammenwohnt, war so lieb uns ein wenig mehr darüber zu erzählen.

Als erstes wollten wir natürlich wissen, was die junge Familie dazu bewogen hat, in ein so kleines Haus zu ziehen. Als wichtigsten Punkt nannte uns Katharina vorweg, dass sie als Familie mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollten, was mit einem Vollzeit Job kaum möglich gewesen wäre. Ein hoher Kredit kam also nicht in Frage, weshalb sie nach alternativen suchen mussten. Außerdem wollten sie eine möglichst nachhaltige Wohnform mit geringem ökologischem Fußabdruck haben.

Wir fragten Katharina, ob sich ihre Lebensqualität dadurch verbessert hat und sie schrieb uns, dass diese enorm gewachsen sei und sie das kostbarste Gut besitzen, nämlich eine Menge Zeit gemeinsam als Familie verbringen zu können und viel Selbstbestimmung.

Auf unsere Frage, ob sie denn irgendwas in ihrem Tiny House vermissen würden oder das Leben darin nennenswerte Nachteile mit sich bringt, bekamen wir ein deutliches „Nein, wir vermissen nichts“ als Antwort. Am Anfang mussten sie sich noch daran gewöhnen, aber mittlerweile sind sie gut eingespielt. In einem kleinen Haus stehen einem oft Dinge im Weg rum und man muss schauen das alles seinen festen Platz hat und es immer aufgeräumt ist. Mit mehreren Menschen auf kleinem Raum muss man lernen die eigenen Bedürfnisse zu äußern und miteinander zu kooperieren. Katharina empfindet das als sehr lohnende Herausforderung und sagt auch, dass sie zwar äußerlich mit ihrem Haus geschrumpft sind, aber innerlich dafür wachsen.

Dann wollten wir von Katharina noch wissen, welche Menschen es ihrer Meinung nach sind, die sich für ein Leben in einem Tiny House entscheiden. Katharina vermutet, dass es ganz unterschiedliche Gründe sind. Ihrer Erfahrung nach, haben viele einen sehr romantischen Gedanken vom Leben im Tiny House mit viel Natur, Ruhe und wenigen schönen Dingen, die einen umgeben. Viele Male schon wurde sie von Tiny House Besitzern kontaktiert, deren romantischer Traum von Baurecht, Straßenlärm oder dem Campingplatztrubel getrübt wurde. Viele sehen das Tiny House aber auch als Wohnchance für das Alter, andere wiederum haben ein alternatives Leben ohne Konsum und Ausbeutung der Erde im Sinn.

Familien sind jedenfalls sehr selten entschlossene Tiny Hous-Interessenten.

Anmerkung Wohnderful: Familien in Tiny Häusern mit 18m² sind wirklich eine Seltenheit. Es gibt aber auch die Möglichkeit, mehrere Tiny Houses miteinander zu verbinden oder gleich auf größere Modelle, mit 50 oder 60m² zu setzen. Was in kleinen Wohnungen funktioniert, kann auch in kleinen Häusern funktionieren J.

Zum Schluss wollten wir von Katharina noch wissen, ob sie glaubt, dass sich der Trend vom Tiny House noch weiter fortsetzen wird und dieses oder ähnliche Kleinwohnformen noch an Popularität gewinnen werden. Katharina vermutet, dass es in Zukunft mehr Tiny Houses geben wird, aber diese doch eher eine Randgruppe darstellen werden. Sie findet ein Tiny House auch relativ flächenintensiv, da man den Garten drum herum auch bewohnt und dass es nicht für jedermann kompatibel ist und dadurch sehr individuell gestaltbar. Das ist für Stadtplaner eine Herausforderung. Sie würde sich jedoch freuen, wenn es mehr Chancen und Möglichkeiten geben würde und Bauämter offener für solche Konzepte wären.

Kommentar Wohnderful: Mit dem letzten Satz sprichst Du uns natürlich aus der Seele. Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen und für die Zeit die Du dir dafür genommen hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Gute und weiterhin eine schöne und harmonische Zeit in eurem kleinen Zuhause.